Unter Napoleon im Einsatz
Dieter Ruppert renoviert drei Kanonen aus Saarlouis
Bensheim. Napoleons Augen würden leuchten vor Freude,
der charismatische Feldherr hätte sicherlich seinen Spaß
an der mit viel Liebe restaurierten Kanone, die seine Initiale
trägt. Der Bensheimer Dieter Ruppert hat mit Sachverstand
und Können drei schwere Kanonen in Stand gesetzt, darunter
auch ein Kriegsgerät, das Napoleons Truppen im Einsatz
hatten.
In der Werkstatt von Dieter Ruppert in der Lilienthalstraße
13 nehmen die drei imposanten Geschütze etwa die Hälfte
der Fläche ein und warten nun darauf, am Freitag nach
Saarlouis transportiert zu werden. Ihren endgültigen
Standort finden sie auf dem Marktplatz und vor der städtischen
Bibliothek.
Drei Monate benötigte Ruppert für die komplette
Restaurierung der Kanonen. Jede Kanone bringt etwa 1,5 Tonnen
auf die Waage. Der 44 Jahre alte gelernte Wagner und Schreiner
baute die Räder und die Holzkonstruktion für die
Kanonenrohre komplett nach. "Alles Handarbeit",
wie Ruppert versichert.
Mit Nachdruck weist der versierte Handwerker darauf hin,
dass er "heiße Reifen" aufgezogen hat. Er
folgte damit dem Beispiel seiner Handwerkskollegen vor rund
300 Jahren, die glühende Eisenreifen auf die Holzunterlagen
anpassten.
Die Wagenräder - immerhin beachtliche 1,45 Meter hoch
- und die Speichen sowie das Kanonengestell sind aus Eschenholz
angefertigt, "ein Holz, das hart und elastisch zugleich
ist", wie Ruppert erläutert.
Von den drei Kanonen haben zwei gezogene Läufe, während
es sich bei der Napoleonkanone lediglich um ein Rundrohr handelt.
Eine Gravur verrät, dass die gezogenen Kanonen - "absolute
Präzisionsarbeiten" - aus dem Unternehmen Krupp
stammen. Während mit der Napoleonkanone "nur"
Kugeln geschossen werden konnten, wurden mit den beiden neueren
Geschützen schon explosive Geschosse abgefeuert.
Nach der gründlichen Restaurierung seien die Kanonen
wieder einsatzfähig, wie Dieter Ruppert schmunzelnd bemerkt.
In Saarlouis dienen die schweren Waffen als Blickfang und
Attraktion im Stadtbild. Leider, so fügt Ruppert hinzu,
stünden die Kanonen im Freien und seien nicht nur den
Unbilden des Wetters, sondern auch dem Zugriff zerstörungswütiger
Zeitgenossen ausgesetzt. Auf jeden Fall wird die Aufstellung
in Saarlouis am Freitag für Furore sorgen.
Dieter Ruppert, der sich vor zweieinhalb Jahren in Bensheim
ansiedelte, ist einer von drei Handwerkern in Deutschland,
die noch Wagenräder herstellen oder restaurieren. Die
Wagnerei erlernte der Tischler von einem alten Handwerker
aus Frankfurt, der ihm noch ab und an zur Hand geht.
Dass Dieter Ruppert ein fast schon ausgestorbenes Handwerk
beherrscht, beschert ihm volle Auftragsbücher. Vorwiegend
Kutschenräder fertigt Ruppert an. Direkt vor den Kanonen
ist ein altes Schmuckstück "geparkt". Die Kutsche
aus dem größten Privatmuseum der Welt stattet Ruppert
mit runderneuerten Rädern aus - reine Routinearbeit.
Die drei Kanonen forderten ihm hingegen sein ganzes Können
ab. Auf das Ergebnis kann er mit Recht stolz sein - ein Lob
Napoleons wäre ihm gewiss. gl
(Quelle: : http://www.morgenweb.de
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